Resonanz-Marketing: was es ist & warum es wirkt
Resonanz-Marketing ist kein Codewort für „ich poste einfach seltener“. Es ist auch keine hübschere Umschreibung für Slow Marketing, auch wenn beide Begriffe oft in denselben Topf geworfen werden. Der Unterschied klingt zuerst nach Wortklauberei. Ist er aber nicht: 'Slow Marketing' beschreibt ein Tempo. Resonanz-Marketing beschreibt die Wirkung von einem Ausgangspunkt, nämlich dir selbst.
Ich nutze den Begriff für meine Arbeit & präge ihn ganz in Ruhe in eine bestimmte Richtung. 'Slow Marketing' hätte bedeutet: weniger Content, seltenerer Takt, ein entspannteres Tempo. Das ist auch Teil der Lösung, aber nicht der eigentliche Kern. Und dieser Kern ist etwas anderes: Bevor irgendetwas nach außen resonieren kann, darf es erstmal mit dir selbst resonieren.
-> Deine eigene Stimme finden & nutzen, das kommt vor jeder Strategie.
Was ist Resonanz-Marketing genau?
Resonanz-Marketing beschreibt kein 'Tun'. Es entsteht, wenn du weiterhin du bist. Wenn du dich so zeigst, wie du eben bist, mit deinen Werten, deiner Haltung, deinem Können & deinen sympathischen Marotten, Ecken & Kanten. Deine Wunsch-Kund:innen reagieren nicht [mehr] auf klassisch lautes Marketing. Sie resonieren mit Menschen, die ihnen ein Vorbild sind, ähnlich ticken wie sie selbst & dennoch [oder gerade deshalb] als ideale:r Problemlöser:in in Frage kommen.
Das Wort „Resonanz“ kommt aus der Physik: zwei Systeme schwingen im gleichen Takt & verstärken sich dadurch gegenseitig - ganz ohne zusätzliche Kraft von außen. Genau das passiert, wenn ein Text, eine Website oder ein Newsletter bei der richtigen Person landet. Du brauchst niemanden überzeugen. Die Person erkennt sich einfach wieder & der Rest [Vertrauen, Interesse, irgendwann eine Anfrage] entsteht daraus. Damit das funktioniert, braucht es aber unbedingt deine eigene stimmige Schwingung. Deshalb ist die eigentliche erste Aufgabe im Resonanz-Marketing nicht, eine Strategie zu bauen, sondern die eigene Stimme so gut zu kennen, dass sie in jedem Text mitschwingt.
Warum bleibt leises Marketing oft unsichtbar?
Klassisches Marketing ist zu schnell. Es lebt von Dringlichkeit, von Countdown, von 'jetzt oder nie'. Das ist der eine Fehler. Der andere [weniger besprochene] Fehler liegt auf der leisen Seite: 'Slow Marketing' bleibt oft unsichtbar, weil ein Post pro Woche im Feed-Fluss schlicht untergeht. Ein einzelner sorgfältig geschriebener LinkedIn-Beitrag verschwindet zwischen fuffzig anderen, noch bevor jemand richtig hingeschaut hat.
„Warum bringt posten nichts?“, fragen sich dann viele & merken nicht, dass die eigentliche Frage eine andere ist. Kaum Reichweite trotz Content ist kein Zeichen von Scheitern, sondern das normale Bild der vom Algorithmus bestimmten Social-Welt. Und wir haben natürlich alle den Fehler gemacht, mehr [statt weniger] willkürliche Freundschafts- & Vernetzungsanfragen zu verschicken, nur um eine „gewisse Profilgröße“ abzubilden. Ist doch klar, dass diese Menschen dahinter nur zufällig mit unserem Thema [& unserer Tiefe darin] matchen, oder?
Der Fehler ist dann meistens nicht das 'leise' Tempo. Der Fehler ist, dass man nach wenig Likes oder Kommentaren aufhört, oder den eigenen Kurs direkt wieder verändert, obwohl er noch gar keine Zeit hatte zu wirken. Resonanz braucht Wiederholung, um überhaupt wahrgenommen zu werden, nur eben Wiederholung im eigenen Takt, nicht im Takt des Algorithmus. Das heißt konkret: dranbleiben, auch wenn eine Woche kaum Reaktionen kommen. Den eigenen Kurs konsequent halten, statt sich von der Stille verunsichern zu lassen. Nicht lauter werden, sondern länger die- oder derselbe bleiben.
Das ist der Unterschied, der am Ende zählt.
Welche Rolle spielt Social Media im Resonanz-Marketing?
Eine andere, als die meisten denken. Social-Media-Kanäle sind im Resonanz-Marketing keine Bühne, auf der ständig etwas performt werden muss, sondern eine digitale Visitenkarte. Wer dich dort findet, findet deine Persönlichkeit, deine Sprache, deinen Blick auf die Dinge & im besten Fall eine unaufdringliche Weiterleitung zu dir [aka deiner Website oder deinem Newsletter]. Der eigentliche Resonanzraum entsteht selten im Feed selbst. Er entsteht dort, wo jemand länger bleibt: auf deiner Seite & in deinem Postfach.
Das erklärt auch, warum ein einzelner Post nie „für sich“ funktionieren muss. Er braucht nicht viral gehen. Er braucht nur echt genug sein, damit jemand, der dich zufällig findet, den nächsten Schritt geht & dahin weitergeleitet wird, wo die eigentliche Verbindung entsteht.
Wie unterscheidet sich Resonanz-Marketing von klassischem Online-Marketing?
Klassisches Online-Marketing optimiert für Reichweite & Algorithmen, meistens über Polarisierung, Dringlichkeit oder möglichst viele Trigger-Wörter. Resonanz-Marketing optimiert für Passung. Und der Unterschied liegt nicht in einer Liste erlaubter & verbotener Taktiken, sondern im Ausgangspunkt. Klassisches Marketing fragt zuerst: Was funktioniert bei möglichst vielen? Resonanz-Marketing fragt zuerst: Was ist wirklich meins & wen zieht genau das an?
Das heißt nicht, dass im Resonanz-Marketing niemals eine Befristung oder ein zeitlich begrenztes Angebot vorkommen darf. Auch das kann stimmig sein, wenn es zu dir & dem Moment passt, statt künstlich erzeugt zu werden, nur um Druck aufzubauen. Der Maßstab ist nicht „erlaubt oder verboten“. Der Maßstab ist, ob sich eine Taktik noch nach dir anfühlt, wenn du sie einsetzt, oder ob du dich dabei verbiegst.
Für wen funktioniert Resonanz-Marketing & für wen eher nicht?
Resonanz-Marketing funktioniert für alle, deren Angebot eng mit der eigenen Person verknüpft ist: Coaches, Berater:innen, Texter:innen [wie ich], Kreative & vergleichbare wissensbasierte Dienstleistungen, bei denen Vertrauen über die Person entsteht & nicht über ein austauschbares Produkt. Es funktioniert besonders gut für introvertierte Selbstständige, weil es keine tägliche Bühne braucht, sondern Tiefe & Konsequenz.
Es funktioniert weniger gut, wenn du kurzfristig sehr viel Reichweite brauchst, zum Beispiel für einen einmaligen Launch mit hartem Zeitdruck, oder wenn dein Angebot komplett austauschbar ist & niemand nach der Person dahinter fragt. In beiden Fällen ist Resonanz-Marketing nicht falsch, aber eben der falsche Hebel für dieses eine Ziel. Es ist eben kein Sprint-Werkzeug, sondern eines für den langen Weg.
Wie sieht Resonanz-Marketing in der Praxis konkret aus?
In der Praxis läuft Resonanz-Marketing über wenige, dafür konsequent bespielte Kanäle: ein Newsletter, der lieber ungefiltert & [verlässlich] unregelmäßig kommt als übereifrig verbogen angekündigt, dann 3 Monate auf Krampf wöchentlich sendet & dann im Nirvana verendet. Eine Website, die die wichtigsten Fragen beantwortet, bevor überhaupt ein Erstgespräch stattfindet. Ein Sound-Anker, der im Kopf bleibt, ohne dass du dich dafür ständig zu wiederholen brauchst. Und Social-Media-Kanäle, die du als digitale Visitenkarte nutzt & nicht als Hauptbühne.
Unterwegs darf durchaus vieles ausprobiert werden: ein neues Format, ein anderer Kanal, mal ein zeitlich begrenztes Angebot. Die einzelnen Doings dürfen auf den Prüfstand & bei Bedarf geändert werden. Was dabei nicht auf der Strecke bleiben darf, ist das große Ganze: dein Business, deine Stimme, dein Kurs. Einzelne Experimente scheitern zu lassen ist Teil des Prozesses. Das eigene Business dafür aufzugeben, wäre der eigentliche Fehler.
Häufige Fragen zu Resonanz-Marketing
Ist Resonanz-Marketing dasselbe wie 'Slow Marketing'?
Nein, auch wenn beide oft zusammen genannt werden. Slow Marketing beschreibt ein Tempo. Resonanz-Marketing beschreibt einen Ausgangspunkt: erst mit dir selbst resonieren, dann nach außen. Man kann langsam & trotzdem unpassend kommunizieren, genauso wie man leise sein & trotzdem im Feed-Rauschen untergehen kann. Resonanz-Marketing schließt diese Lücke, indem es auf Konsequenz statt auf Tempo allein setzt.
Ist Resonanz-Marketing auch für introvertierte Selbstständige geeignet?
Resonanz-Marketing entstand aus der Praxis einer Introvertierten & funktioniert genau deshalb für Menschen, die sich in klassischen Marketing-Strategien nicht wiederfinden. Es braucht keine Bühne, keine Lautstärke, keine täglichen Reels. Es braucht Klarheit darüber, wer du bist, was du kannst & für wen du das tust.
Bedeutet Resonanz-Marketing, dass ich langsamer wachse?
Meistens ja, zumindest gemessen an klassischen Reichweiten-Zahlen. Dafür ist das, was entsteht, tragfähiger: Menschen, die sich melden, weil sie sich erkennen, nicht weil ein Rabatt-Timer abgelaufen ist.
Kann ich Resonanz-Marketing mit klassischem Marketing kombinieren?
Ja, solange du bei dir bleibst. Einzelne Taktiken, eine klare Landingpage, Keyword-Recherche oder auch mal eine Befristung, lassen sich gut übernehmen, wenn sie zu dem konkreten Moment passen. Zur Dauerstrategie sollten sie aber nicht werden, denn dann übernimmt wieder die Logik des klassischen Marketings statt deine eigene.
Ich schreibe bei Ruhe mit Richtung über Resonanz-Marketing für introvertierte Selbstständige, den Begriff, den ich für meine eigene Arbeit geprägt habe, weil 'langsamer' allein noch keine Wirkung erklärt. Mehr zum ruhigen Weg zu Sichtbarkeit: Marketing für introvertierte Selbstständige: der Guide. Und wenn du wissen möchtest, wie sich Resonanz-Marketing in der Praxis anfühlt: Hier kannst du den Ruhe(news)letter abonnieren.